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Weltweit erste Studie über Bewegungsprofile von alten Menschen im Heim

Bewegung ist Lebensqualität

(HR) Was sind zukunftsweisende soziale Innovationen und wie setzt man sie um? Zum Beispiel: „Wie werden Menschen in Europa gesünder und aktiver alt?“ Diese Frage stellte die EU 2012 der Wissenschaft. Das war für ein Heidelberger Forscherteam die Initialzündung, um eine bis dahin wenig beforschte Personengruppe in den Fokus zu nehmen – die Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Jetzt nach fast drei Jahren Forschungsarbeit schreiben die Forscher an den Schlussberichten. Fazit: spezielle Trainings- und Motivationsstrategien sind der Schlüssel für Lebensqualität – auch und besonders in Heimen.

Als die beiden Heidelberger Alternswissenschaftler Professor Dr. Klaus Hauer, Forschungsleiter am AGAPLESION BETHANIEN KRANKENHAUS HEIDELBERG und Professor Dr. Hans-Werner Wahl  vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg sich die EU-Aufgabenstellung genauer anschauten, war schnell klar: Es gibt so gut wie keine Forschungen über das Bewegungsverhalten und die Lebensqualität von betagten Menschen in Alten- und Pflegeheimen. Und es gibt bislang keine Interventionsstrategien, das Bewegungsverhalten zu verbessern.

Das reizte die beiden. Sie knüpften Netzwerke und schmiedeten Kooperationen, die schließlich über die Fraunhofer Gesellschaft bis zur Universität in Bologna reichten. Und sie entwarfen das Konzept der weltweit ersten Studie, die primär das Bewegungsverhalten in Pflegeheimen verbessert und mit High-Tech-Verfahren dokumentiert. Um ihre Forschung fundiert zu belegen, haben Hauer und Wahl mit hunderten von Heidelberger Heimbewohnern gearbeitet.

Die Studie steht kurz vor ihrem Abschluss. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Heidelberger Forscher darin ein beispielgebendes Bewegungsprogramm entworfen haben, das europaweit Schule machen könnte. Geforscht wurde an den Heidelberger Einrichtungen AGAPLESION BETHANIEN LINDENHOF und AGAPLESION MARIA VON GRAIMBERG.

Die erste Frage war: was tun eigentlich die Hochbetagten den ganzen Tag im Heim? Das Thema war bislang wissenschaftlich ein blinder Fleck. Neben Befragungen statteten die Forscher die oftmals kognitiv veränderten Probanden mit High-Tech-Sensoren aus, die genaue Bewegungsprofile erstellten, also das Bewegungsverhalten und den Ort der Bewegung aufzeichneten. Damit ließ sich feststellen, ob die Menschen standen, saßen, aufstanden, gingen oder liegen blieben. Sogar die Qualität, mit der die einzelnen Bewegungen vollzogen wurden, konnte dokumentiert werden. So etwas wurde bislang in dieser Form weltweit noch nie gemacht.

Als Forschungsergebnisse zeichnen sich schon jetzt ab, dass durch gezielte Trainings das motorische Verhalten von Menschen in Pflegeheimen deutlich verändert werden kann. Salopp gesagt, je sicherer sich die Probanden fühlten und wieder bewegen konnten, je besser ihre motorischen Leistungen wurden, desto größer wurde wieder der Lebensraum, den sie sich selbständig erschlossen. Insgesamt ergab sich so eine wissenschaftlich nachweisbare Verbindung zwischen besserer körperlich-motorischer Leistung  und erhöhter sozialer Teilhabe.

Die Forscher entwickelten ein ganzheitliches  Trainings- und Aktivierungsprogramm und führten das Programm in den beiden teilnehmenden Heidelberger Heimen ein. Wichtig war hierbei auch ein Schulungsprogramm für pflegende Mitarbeiter, das Professor Wahl und seine Mitarbeiterin Dr. Katrin Claßen speziell für das Projekt entwickelt hatten. Die erfolgreichen Programme sind mittlerweile fest in der Alltagsroutine der beiden Heidelberger Heime etabliert, die so zu beispielgebenden Leuchttürmen in der Branche geworden sind.

Die buchstäblich erschrittenen Lebensräume der Studienteilnehmer wurden wieder größer. Mit anderen Worten: die Menschen im Pflegeheim tauschten das Sitzen und Liegen ein gegen Herumgehen und Menschen treffen. „Wir haben sogar Leute aus dem Rollstuhl geholt; die Gehhilfen blieben am Ende häufiger in der Ecke stehen, als wir erwartet hatten“, berichtet Professor Dr. Klaus Hauer nicht ohne Begeisterung. Und Professor Dr. Hans-Werner Wahl fügt hinzu: „Unsere Befunde zeigen, dass das oftmals sehr negativ gefärbte Bild von nur passiven Menschen im Pflegeheim so nicht stimmt bzw. diesem effizient entgegengewirkt werden kann.“

Die Forschung kommt zu dem Schluss, dass der Erhalt und das Wiedererlangen der Basismotorik – also Stehen, Gehen, Aufstehen, Hinsetzen und Treppensteigen – die wesentlichen Schlüsselkompetenzen für Lebensqualität im fortgeschrittenen Alter sind. Sie zu erhalten und wieder zu erlangen ist essenziell. Daraus ergeben sich vielfältige Perspektiven – gerade auch in Heimen.

Ganz nebenbei ergibt sich damit auch eine wirksame Sturzprophylaxe für diese stark sturzgefährdete Zielgruppe. In dem Forschungsabschlussbericht, den Hauer, Wahl und ihr Team im Dezember vorlegen wollen, wird auch das Lehrprogramm für das Training enthalten sein, das dann europaweit zur Nachahmung empfohlen wird.

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Katrin Becker

Katrin Becker

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